22.04.2026 12:06:53 - dpa-AFX: Bundesbank sieht Mini-Wachstum trotz Krisen und Nahost-Krieg

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung der
Bundesbank trotz vieler Krisen mit einem Mini-Wachstum ins laufende Jahr
gestartet. "Trotz fortbestehender Belastungsfaktoren und zusätzlichem Gegenwind
durch den Krieg im Nahen Osten dürfte das reale BIP im ersten Quartal 2026
saisonbereinigt leicht zugelegt haben", schreibt die Notenbank in ihrem
Monatsbericht April. Erste amtliche Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den
ersten drei Monaten 2026 gibt es nächste Woche Donnerstag (30.4.) vom
Statistischen Bundesamt.

Nach Einschätzung der Bundesbank lassen steigende Industrieumsätze und
Warenexporte einen leicht positiven Wachstumsbeitrag erwarten. Zudem zeigten
Umfragedaten für März noch eine insgesamt stabile Lage. "Das deutet darauf hin,
dass sich die negativen Effekte des Krieges im Nahen Osten größtenteils erst
später niederschlagen dürften", heißt es im Monatsbericht.

Gestiegene Energiepreise bremsen den Konsum

Der private Konsum schwächelte dagegen im ersten Quartal des laufenden
Jahres vermutlich. Im März dürfte der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs
Verbraucher zusätzlich gebremst haben. Vor allem Sprit an der Tankstelle und
Heizöl wurden erheblich teurer. Das katapultierte die Inflationsrate im März mit
2,7 Prozent auf den höchsten Stand seit Januar 2024.

Kurzfristig sieht die Bundesbank keine Entspannung: "Die Inflationsrate
dürfte in den kommenden Monaten deutlich erhöht bleiben. Dauer und Ausmaß des
Inflationsschubes hängen jedoch stark von der weiteren Entwicklung des Konflikts
im Nahen Osten ab."

Trübe Aussichten für die Konjunktur

Auch die konjunkturellen Aussichten bleiben trüb. "Mit Blick auf das zweite
Quartal zeichnet sich aus heutiger Sicht allenfalls eine weitere, leichte
Expansion ab", schreibt die Bundesbank. Zwar dürften die staatlichen
Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und Verteidigung zunehmend die
Konjunktur beflügeln. "Andererseits ist gleichzeitig zu erwarten, dass die
Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten die deutsche Wirtschaft breiter und
spürbarer belasten. Sie wirken insbesondere über gestiegene Energiepreise,
Lieferkettenprobleme, erhöhte Unsicherheit, gestiegene Zinsen und
verschlechterte Exportaussichten."

Reihenweise senkten Ökonomen jüngst ihre Konjunkturprognosen für das
laufende Jahr. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen damit, dass die
deutsche Wirtschaftsleistung 2026 nur noch um 0,6 Prozent zulegen wird. Vor dem
Iran-Krieg hatten viele Experten ein Wachstum von einem Prozent erwartet, teils
auch mehr. 2025 war Deutschland mit 0,2 Prozent Plus knapp am dritten Jahr ohne
Wirtschaftswachstum in Folge vorbeigeschrammt./ben/DP/nas

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