22.04.2026 12:04:44 - dpa-AFX: ROUNDUP: Iran-Krieg durchkreuzt Geschäftspläne der Tui - Aktie sackt ab
HANNOVER (dpa-AFX) - Der Krieg am Persischen Golf setzt dem
Reiseveranstalter Tui spürbar zu. Zwei dort wochenlang
festsitzende Kreuzfahrtschiffe sind zwar inzwischen wieder frei, doch gestiegene
Kosten und rückläufige Buchungszahlen dämpfen die Aussichten für die wichtige
Sommersaison. Tui-Chef Sebastian Ebel strich deshalb am Mittwoch seine
Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr zusammen. Eine Umsatzprognose wagt
er vorerst gar nicht mehr. An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an.
Der Kurs der Tui-Aktie schwankte am Morgen erheblich und lag um die
Mittagszeit zuletzt mit 2,8 Prozent im Minus bei 6,99 Euro. Damit weitete das
Papier seinen Verlust seit Jahresbeginn auf rund 22 Prozent aus. Binnen zwölf
Monaten ergibt sich aber noch ein Kursplus von rund elf Prozent.
Der Iran-Krieg führe zu einer verstärkten Zurückhaltung der Kunden,
begründete das Management seine gekappten Ziele. So buchten die Menschen ihre
Reisen noch kurzfristiger. Daher lasse sich die Entwicklung auf kurze Sicht
schwerer voraussagen.
Ebel rechnet für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September jetzt zu
konstanten Wechselkursen nur noch mit einem operativen Gewinn (bereinigtes Ebit)
in der Bandbreite von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro. Bisher hatte er das
Vorjahresergebnis von gut 1,4 Milliarden um sieben bis zehn Prozent übertreffen
wollen. Analysten hatten zuletzt im Schnitt noch rund 1,5 Milliarden erwartet.
Das Management hofft allerdings, dank Zuwächsen im Kreuzfahrtgeschäft und
positiven Effekten durch den Konzernumbau das Vorjahresergebnis annähernd wieder
zu erreichen. Bisher hatte Ebel angepeilt, den Umsatz von zuletzt 24,2
Milliarden währungsbereinigt in diesem Geschäftsjahr um zwei bis vier Prozent zu
steigern. Nun setzt er diese Prognose aus, bis sich die Rahmenbedingungen
stabilisieren.
Ohnehin basieren die neuen Erwartungen des Managements auf der Prämisse
eines stabilen weltpolitischen Umfelds und einer sicheren Treibstoffversorgung.
Erst am Montag hatte Ebel Befürchtungen wegen eines möglicherweise drohenden
Kerosinmangels zu zerstreuen versucht: Die Situation in Deutschland sei "relativ
komfortabel", sagte er im Nachrichtensender Welt TV. Zudem habe Tui beim
Kerosineinkauf gut vorgesorgt, was auch für Kostensicherheit sorge. Für den
Sommerurlaub müsse sich aus seiner Sicht niemand Sorgen machen.
An der Börse löste die gekappte Prognose jedoch Enttäuschung aus: "Die
Erwartungen am Markt dürften nun entsprechend nach unten korrigiert werden",
sagte ein Händler. Bernstein-Analyst Richard J. Clarke hält es für
bemerkenswert, dass diese Warnung an schwacher Nachfrage liege und nicht in
erster Linie auf gestiegene Treibstoffkosten zurückgehe.
Im Winterhalbjahr konnte Tui das eigene Ergebnis nach eigenen Angaben noch
stark verbessern. Ersten Berechnungen zufolge wird für das zweite
Geschäftsquartal bis Ende März abseits von Währungseffekten ein Anstieg des
bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern um 5 bis 25 Millionen Euro
gegenüber dem Vorjahreswert von minus 207 Millionen Euro erwartet. Analysten
hatten auf vergleichbarer Basis hingegen einen weiteren Ergebnisrückgang
einkalkuliert.
Der Zuwachs sei vor allem dem Umbau im zentralen Geschäftsbereich Märkte und
Airline zu verdanken, der das Veranstaltergeschäft und die eigenen
Fluggesellschaften von Tui umfasst. Die Belastungen durch den Iran-Krieg in dem
Quartal bezifferte der Konzern auf rund 40 Millionen Euro - unter anderem, weil
er Touristen und eigene Beschäftigte aus der Region zurückholen musste.
So hatte Tui nach Ausbruch des Konflikts am Persischen Golf Ende Februar
rund 10.000 Gäste zurückgebracht. Darunter waren etwa 5.000
Kreuzfahrt-Passagiere von Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5. Zusätzlich seien etwa
1.500 Crewmitglieder ausgeflogen worden.
Nachdem die beiden Kreuzfahrtriesen noch mehrere Wochen lang bis Mitte April
in den Häfen von Abu Dhabi und Doha festgesteckt hatten, sind derzeit sämtliche
ihrer Fahrten bis Mitte Mai abgesagt. Danach sollen sie die Fahrten der
Sommersaison in der Mittelmeerregion aufnehmen.
Während bei der übrigen Flotte von Tui Cruises und der Marke Marella das
Buchungsumfeld nach einem sehr positiven Jahresstart anhaltend stark geblieben
sei, bahnt sich abseits der Kreuzfahrten derzeit eine schwächere Sommersaison
an: So lägen aktuell die Buchungszahlen im Veranstaltergeschäft für die
wichtigste Reisezeit des Jahres sieben Prozent niedriger als im Vorjahr, hieß es
weiter. Ebenfalls auf minus sieben Prozent habe sich die gebuchte
Hotelauslastung für das wichtige Sommerhalbjahr abgeschwächt.
Tui erklärte dies im Wesentlichen mit den rückläufigen Buchungen für die
Türkei, Zypern und Ägypten seit Ausbruch des Iran-Kriegs. Zugleich habe sich die
Nachfrage teilweise vom östlichen in den westlichen Mittelmeerraum verschoben.
Negative Nachwirkungen gebe es aber auch durch einen Hurrikan in der Karibik.
Die Tui-Spitze sieht den Konzern allerdings in einer robusten finanziellen
Lage. Das Unternehmen sei flexibel genug, um auf das Marktumfeld zu reagieren
und seinen internen Umbau fortzusetzen. Trotz der Engpässe beim Öl seien bereits
83 Prozent des Kerosinbedarfs für den Sommer und 62 Prozent für den Winter
2026/27 abgesichert. Im Kreuzfahrtgeschäft habe Tui wiederum mehr als vier
Fünftel der Energiekosten für das laufende Geschäftsjahr
abgesichert./tav/stw/stk
| |
Name |
WKN |
Börse |
Kurs |
Datum/Zeit |
Diff. |
Diff. % |
Geld |
Brief |
Erster |
Schluss |
 |
TUI AG NA O.N. |
TUAG50 |
Xetra |
6,980 |
22.04.26 13:56:13 |
-0,220 |
-3,06% |
6,980 |
6,986 |
7,210 |
7,200 |
 |
ROYAL CARIB.CRUISES DL-01 |
886286 |
Frankfurt |
232,700 |
22.04.26 08:00:10 |
+0,200 |
+0,09% |
234,100 |
234,800 |
232,700 |
232,500 |