06.04.2026 09:00:48 - dpa-AFX: STICHWORT/Fristen und Drohungen: Trump und die Straße von Hormus

WASHINGTON (dpa-AFX) - Trump will den Iran mit massiven Bombardierungen auch
ziviler Infrastruktur in die "Hölle" befördern, er beschimpft die Führung in
Teheran als "verrückte Mistkerle" und stellt neue Ultimaten. Damit will er den
Iran dazu bewegen, die für den Öl- und Gastransport wichtige Straße von Hormus
wieder für die Schifffahrt zu öffnen. Der Iran ist den USA militärisch
unterlegen, doch die Blockade der Meerenge ermöglicht es der Führung in Teheran,
die USA und die ganze Welt wirtschaftlich unter Druck zu setzen.

Hier ein Blick auf die Lage in der Straße von Hormus - und eine
chronologische Auswahl von Trumps teils widersprüchlichen Äußerungen und
Drohungen dazu:

* 28. Februar: Bis zum Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran verläuft der Schiffsverkehr in der Meerenge zwischen dem Persischen Golf
und dem Golf von Oman weitestgehend ungestört. Rund ein Fünftel des weltweiten
Ölbedarfs wird durch das an der schmalsten Stelle nur etwa 50 Kilometer breite
Nadelöhr transportiert. Auch für den Transport von Flüssiggas, Helium und Dünger
ist die Meerenge entscheidend.

* Anfang März: Nach iranischen Angriffen auf Schiffe und mehreren Drohungen
kommt der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus praktisch zum Erliegen. Die
Weltmarktpreise für Öl und Gas steigen sprunghaft an.

* 15. März: Trump drängt die Nato-Partner mit drastischen Worten zur
Unterstützung bei der Sicherung von Öltransporten in der Meerenge. Die Nato
werde vor einer "sehr schlechten" Zukunft stehen, sollten die Partner den USA
dabei nicht helfen, sagt Trump.

* 16. März: Europäische Nato-Partner wie Großbritannien, Frankreich und
Deutschland lehnen einen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus während des
Kriegs ab. Ein Sprecher der Bundesregierung sagt in Berlin: "Dieser Krieg hat
mit der Nato nichts zu tun."

* 16. März: Trump wiederholt seine Forderung an die Partner und fügt hinzu,
die USA hätten der Nato schließlich auch mit der Ukraine geholfen, obwohl das
Land von den USA weit entfernt sei.

* 17. März: Trump kritisiert die Nato-Verbündeten und klagt, sie begingen
einen "törichten Fehler". Gleichzeitig betont er nun, die USA bräuchten deren
Hilfe gar nicht. "Weil wir solche militärischen Erfolge erzielt haben,
"brauchen" oder wünschen wir uns die Unterstützung der NATO-Staaten nicht mehr -
DAS HABEN WIR NIE GETAN!", erklärt er auf Truth Social.

* 20. März: Trump bezeichnet die Nato-Verbündeten auf seiner Plattform in
Großbuchstaben als "FEIGLINGE". Ohne die USA sei das Verteidigungsbündnis ein
zahnloser Tiger. Jetzt, da der Kampf militärisch "GEWONNEN" sei, beschwerten sie
sich über die hohen Ölpreise, würden aber nicht dabei helfen, die Meerenge zu
öffnen, schreibt er.

* 20. März: Die Straße von Hormus müsse von jenen Staaten bewacht und
kontrolliert werden, die auf sie angewiesen seien, schreibt Trump. Die USA
könnten dabei vielleicht helfen, falls Verbündete anfragten.

* 21. März: Trump setzt dem Iran ein Ultimatum für die Öffnung der Straße
von Hormus. Teheran solle diese binnen 48 Stunden vollständig und "ohne
Drohungen" öffnen. Andernfalls würden die USA Irans Kraftwerke angreifen und
zerstören, droht Trump.

* 23. März: Trump gewährt dem Iran Aufschub und ordnet an, in den nächsten
fünf Tagen keine Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur
zu fliegen. Dies sei das Ergebnis "sehr guter und produktiver Gespräche" über
eine Beilegung des Konflikts. Der Iran dementiert Trumps Darstellung.

* 26. März: Trump verlängert sein Ultimatum an den Iran zur Freigabe der
Straße von Hormus erneut. Bis zum Ostermontag um 20.00 Uhr werde es keine
Angriffe auf iranische Kraftwerke geben.

* 31. März: Der Benzinpreis in den USA klettert im Durchschnitt auf vier
US-Dollar pro Gallone (3,785 Liter). Vor dem Krieg waren es noch knapp drei
Dollar - ein Anstieg von über einem Drittel in einem US-Wahljahr.

* 1. April: Trump sagt bei einer Rede an die Nation, die USA hätten mit dem
Problem der Straße von Hormus "nichts zu tun". Das Thema werde sich von selbst
erledigen, wenn der Iran-Krieg ende. Die USA importieren tatsächlich nur wenig
Öl über die Meerenge, hängen aber genauso wie die übrigen Länder vom
Weltmarktpreis des Rohstoffs ab. Die USA könnten bei der Sicherung der Meerenge
vielleicht helfen, sagt Trump.

* 4. April: Trump pocht auf sein Ultimatum und droht dem Iran mit schweren
Angriffen, sollte sich die Führung in Teheran nicht beugen. "Die Zeit läuft
davon - 48 Stunden, bevor die Hölle über sie hereinbricht", schreibt er. Die
Bedingungen seien erfüllt, wenn der Iran einem Abkommen zustimme oder die Straße
von Hormus öffne.

* 5. April: Trump verleiht seinem Ultimatum mit neuen Drohungen und
Beleidigungen auf Truth Social Nachdruck: "Öffnet die verdammte Straße, ihr
verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle landen", schreibt er.

* 5. April: Etwa fünf Stunden später gibt Trump der iranischen Führung nun
doch bis Dienstagabend Zeit - und scheint sein Ultimatum damit bereits zum
dritten Mal zu verschieben. "Wenn sie bis Dienstagabend nichts unternehmen,
bleibt kein Kraftwerk und keine Brücke stehen", sagt Trump. Er spricht nun von
Dienstag, 20.00 Uhr (Ortszeit Washington; 2.00 Uhr MESZ am Mittwoch) als neuer
Frist.

* 5. April: Der Iran lehnt Trumps Ultimatum ab. Die Meerenge werde erst dann wieder geöffnet, "wenn im Rahmen einer neuen Rechtsordnung die Schäden des
aufgezwungenen Kriegs vollständig aus einem Teil der Transitgebühren kompensiert
werden", schreibt ein Vertreter des iranischen Präsidenten. Der Iran beansprucht
die Kontrolle über die gesamte Passage und plant ein Mautsystem für die
Durchfahrt.

* 6. April: Der Ölpreis steigt nach Trumps jüngsten Drohungen weiter. Der
Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni stieg zum
Wochenbeginn auf 111 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Vor dem Krieg lag der
Preis um die 70 Dollar - eine Zunahme von mehr als 50 Prozent./jbz/DP/zb

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