06.04.2026 09:00:23 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: 'Ihr Mistkerle' - Trump und Teheran drohen sich
(Neu: weitere Details)
TEHERAN/WASHINGTON (dpa-AFX) - Der Iran hat auf das jüngste Ultimatum von
US-Präsident Donald Trump zur Öffnung der Straße von Hormus mit eigenen
Drohungen reagiert. Sollten die USA und Israel ihre Angriffe eskalieren, könnten
für den globalen Energiemarkt wichtige Schifffahrtswege jenseits der Straße von
Hormus gefährdet sein, warnte Ali-Akbar Welajati, außenpolitischer Berater des
obersten Führers des Irans, laut dem regierungstreuen iranischen Sender Press
TV. Davon betroffen sein könnte die Meerenge Bab al-Mandab und damit die
Einfahrt zum Roten Meer und zum weiter nördlich gelegenen Suezkanal.
Trump hatte der Führung in Teheran zuvor erneut mit Angriffen auf Kraftwerke
und Brücken gedroht, sollte diese bis Dienstagabend 20.00 Uhr US-Ostküstenzeit
(2.00 Uhr MESZ am Mittwoch) nicht einlenken. "Öffnet die verdammte Straße (von
Hormus), ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle landen", schrieb
er Ostersonntag auf seiner Plattform Truth Social.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf schrieb auf der
Plattform X, mit "Kriegsverbrechen" lasse sich "nichts erreichen". Die einzige
Lösung bestehe darin, "die Rechte des iranischen Volkes zu respektieren und
dieses gefährliche Spiel zu beenden". Ghalibaf warnte, die "leichtsinnigen
Schachzüge" könnten die gesamte Region in Flammen aufgehen lassen. Trump hat
sein Ultimatum zum dritten - und möglicherweise letzten Mal - verschoben.
Bericht: letzter Versuch für Waffenstillstand
Die USA, der Iran und regionale Vermittler unternähmen einen "letzten
Versuch", die Bedingungen für einen möglichen 45-tägigen Waffenstillstand
auszuhandeln, berichtete das US-Nachrichtenportal "Axios" unter Berufung auf
Aussagen von vier US-amerikanischen, israelischen und regionalen Quellen. Es sei
die einzige Chance, eine dramatische Eskalation noch zu verhindern.
Massive US-Angriffe auf die iranische Zivilinfrastruktur hätten
Vergeltungsschläge gegen Energie- und Entsalzungsanlagen in den Golfstaaten zur
Folge. Die Chancen auf eine Teilvereinbarung innerhalb der nächsten 48 Stunden
schätzen die von "Axios" zitierten Quellen jedoch als gering ein.
Trump sagte dem "Wall Street Journal": "Wenn sie bis Dienstagabend nichts
unternehmen, bleibt kein Kraftwerk und keine Brücke stehen." Die iranische
UN-Mission schrieb dazu auf X, Trump drohe erneut "offen damit, die für das
Überleben der Zivilbevölkerung im Iran essenzielle Infrastruktur zu zerstören".
Die internationale Gemeinschaft und alle Staaten seien "verpflichtet, solche
grausamen Kriegsverbrechen zu verhindern. Sie müssen jetzt handeln. Morgen ist
es zu spät", heißt es in dem Post der UN-Mission weiter.
Trump und Teheran beschimpfen sich gegenseitig
Mehdi Tabatabaei, für Kommunikation zuständiger Beamter im Büro des
iranischen Präsidenten, reagierte auf Trumps Drohung mit den Worten, dieser habe
aus "purer Verzweiflung und Wut" zu ordinären Beschimpfungen gegriffen.
Tabatabaei fügte selbst auf X polternd hinzu: "Dieser Bastard-Narr hat in seinem
Wahnsinn einen totalen Krieg in der Region entfacht" und prahle damit.
Die für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtige Meerenge werde erst dann
wieder geöffnet, "wenn im Rahmen einer neuen Rechtsordnung die Schäden des
aufgezwungenen Krieges vollständig aus einem Teil der Transitgebühren
kompensiert werden", schrieb der iranische Beamte. Der Iran beansprucht die
Kontrolle über die Passage und plant ein Mautsystem für die Durchfahrt.
Ölpreise ziehen weiter an
Nach Trumps neuen Drohungen starteten die Ölpreise mit weiteren Aufschlägen
in die Woche. Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni
stieg bis zu zweieinhalb Prozent auf knapp 112 US-Dollar je Barrel (159 Liter).
Das sind fast 40 Dollar mehr als vor Beginn des Krieges. Über die Straße von
Hormus werden rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels abgewickelt. Seit Beginn
des Iran-Krieges am 28. Februar liegt der Seeverkehr durch die wichtige Meerenge
weitgehend still.
Das Marinekommando der iranischen Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht
der Islamischen Republik, wurde von iranischen Staatsmedien mit den Worten
zitiert, die Straße von Hormus werde "niemals wieder in ihren früheren Zustand
zurückkehren, insbesondere nicht für die USA und Israel." Südkoreas Regierung
verstärkt derweil ihre diplomatischen Anstrengungen zur Sicherung alternativer
Ölrouten. Es würden Sondergesandte nach Saudi-Arabien, Oman und Algerien
geschickt, berichtete Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap.
Zudem sollten fünf Öltanker unter koreanischer Flagge ins Rote Meer an die
saudi-arabische Hafenstadt Yanbu verlegt werden. Saudi-Arabien kann Öl über
Pipelines vom Persischen Golf nach Yanbu transportieren und dort verschiffen.
Erneut Todesopfer im Iran und in Israel
Unterdessen setzten die USA und Israel ihre massiven Luftangriffe im Iran
fort. In der Hauptstadt Teheran kamen nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr
mindestens vier Menschen bei einem Angriff auf ein Wohngebiet ums Leben. Bei
einem weiteren Bombardement von zwei Wohngebäuden südwestlich von Teheran
starben laut Nachrichtenagentur Fars mindestens 13 Menschen. Bei einem
Luftangriff auf ein Wohngebäude in der Stadt Qom im Zentrum des Landes seien
zudem mindestens fünf Menschen getötet worden. Die Bergungsarbeiten dauerten in
den frühen Morgenstunden noch an.
In der israelischen Stadt Haifa bargen derweil Rettungskräfte zwei Leichen
aus Trümmern eines Gebäudes, das von einer iranischen Rakete getroffen worden
war, wie die "Times of Israel" am frühen Morgen berichtete. Zwei weitere
Personen galten zunächst noch als vermisst. Unterdessen teilte die Armee am
Morgen mit, eine weitere Welle an Angriffen in Teheran beendet zu haben.
Trump droht seit längerem damit, auch Irans Kraftwerke sowie die
Infrastruktur des Landes anzugreifen, sollte Teheran nicht die Straße von Hormus
für den Schiffsverkehr öffnen oder einem Abkommen zustimmen. Vor rund eineinhalb
Wochen hatte Trump noch von sehr guten und produktiven Gesprächen gesprochen und
das Ultimatum deshalb nochmals verschoben. In den vergangenen Tagen wurde der
Ton dann aber rauer: Trump drohte in einer Ansprache an die Nation, den Iran
zurück in die "Steinzeit" zu bomben./ln/DP/zb