29.03.2026 23:15:10 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP/Fernandes: Gesetzeslücke bei intimen Aufnahmen auf Fake-Profilen
BERLIN (dpa-AFX) - Die Moderatorin Collien Fernandes drängt auf mehr
Sensibilität bei Behörden im Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt. Es
brauche "Schulungen für die Menschen, die die Anzeige entgegennehmen", sagte sie
in der ARD-Talksendung "Caren Miosga". Fernandes machte sich auch für
bewusstseinsbildende Maßnahmen in Schulen stark.
Wo Fernandes weiteren Regelungsbedarf sieht
Fernandes sieht zudem weiteren Nachschärfungsbedarf bei derzeit diskutierten
Gesetzesplänen. Geahndet werden solle die Verbreitung heimlich gemachter intimer
Aufnahmen und die Verbreitung von Deepfakes, also mit Hilfe künstlicher
Intelligenz erstellter intimer Aufnahmen, sagte sie. Nicht erfasst seien reale
Aufnahmen zum Beispiel einer Pornodarstellerin, die auf einem
Social-Media-Profil einer Person verbreitet werden und so den Eindruck
erweckten, es handele sich um die Inhaberin des Profils.
Hintergrund sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den
Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte.
Sie wirft ihm vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber
pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die
Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die
"initiale Berichterstattung" des "Spiegels" gerichtliche Schritte einzuleiten.
Hubig fordert gesellschaftliche Debatte ein
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), die in der Sendung nach
Fernandes als Teil einer Talkrunde auftrat, betonte, sie wolle sich zu den
Vorwürfen von Fernandes nicht äußern. "Ich bin Justizministerin. Wir haben eine
unabhängige Justiz."
Die SPD-Politikerin forderte eine stärkere gesellschaftliche Debatte zu
sexualisierter Gewalt. Von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen müsse
signalisiert werden, dass sie Unterstützung erhielten. Es sei wichtig zu sagen:
"Nein, kein Mann hat das Recht, übergriffig zu werden und Gewalt auszuüben
gegenüber einer Frau. Und es ist nicht die Schuld der Frau, und sie muss sich
auch nicht dafür schämen. Ich finde, das müssen wir in der Gesellschaft wirklich
noch mal viel deutlicher auch leben und darüber diskutieren."
Eine Klarnamenpflicht im Internet lehnte Hubig erneut ab und begründete das
mit Verweis auf Selbsthilfegruppen oder auch Oppositionelle aus anderen Ländern,
die die Anonymität im Netz bräuchten. Die Ministerin ist für mehrere
Gesetzesvorhaben zuständig, die für einen besseren Schutz von Frauen sorgen
sollen./hrz/DP/zb