29.03.2026 22:00:35 - dpa-AFX: GESAMT-ROUNDUP 2: Neue Angriffe im Iran-Krieg - Bemühungen um Deeskalation
(Neu: weitere Details)
ISLAMABAD/TEHERAN/TEL AVIV (dpa-AFX) - Vier Wochen nach Kriegsbeginn setzen
Israel und der Iran ihre heftigen gegenseitigen Angriffe fort. Die iranische
Nachrichtenagentur Fars berichtete, Raketen seien in einem Wohngebiet südlich
von Teheran eingeschlagen, dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen. Das
israelische Militär bestätigte Angriffe in der iranischen Hauptstadt sowie
anderen Gebieten in dem Land. Ziel sei Infrastruktur des iranischen
Machtapparats gewesen, darunter Produktionsstätten von Raketen und Drohnen, hieß
es.
Das in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA schrieb, die
Angriffe der vergangenen Tage auf den Iran seien die stärksten seit Kriegsbeginn
gewesen.
Huthi mit in den Krieg eingetreten
Der Iran setzte derweil seine Raketenangriffe auf Israel fort. Ein Angriff
galt nach Medienberichten der Wüstenstadt Dimona, die in der Nähe des
israelischen Atomreaktors liegt. In dem Ort hatte es bei einem Angriff vor einer
Woche Dutzende Verletzte und verheerende Zerstörungen in einem Wohngebiet
gegeben. Auch im Großraum Tel Aviv sowie in Jerusalem gab es Raketenalarm. Auf
Israels Norden flogen neben Raketen aus dem Iran erneut auch Geschosse aus dem
Libanon.
Zudem hatten die Huthi-Miliz im Jemen Israel nach ihrem Eintritt in den
Krieg an der Seite Teherans am Samstag innerhalb kurzer Zeit zweimal angegriffen
- mit insgesamt drei Raketen und einer Drohne.
Pakistan bemüht sich um Deeskalation
Derweil kamen auf Einladung Pakistans die Außenminister Saudi-Arabiens,
Ägyptens und der Türkei zu zweitägigen Gesprächen nach Islamabad. Sie wollten
dort über eine mögliche Deeskalation des Krieges beraten. Pakistan teilt sich
eine rund 900 Kilometer lange Grenze mit dem Iran und hat sich seit der
Ausweitung des Krieges auf die Golfstaaten als Vermittler für eine mögliche
Beendigung des Krieges angeboten.
Die Außenminister sollten auch Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif
treffen. Dieser hatte nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit Irans
Präsidenten Massud Peseschkian "Pakistans starke Verurteilung der anhaltenden
Angriffe Israels auf den Iran" bekräftigt. Zudem habe er ihn über Pakistans
Bemühungen informiert, mit den USA, befreundeten Golfstaaten und weiteren
islamischen Ländern einen Dialog und eine Deeskalation zu erleichtern. So
tauscht Islamabad Botschaften zwischen den USA und dem Iran aus.
Bald Gespräche in Islamabad?
Der pakistanische Außenminister, Ishaq Dar, teuilte mit: "Pakistan wird es
als Ehre empfinden, in den kommenden Tagen bedeutsame Gespräche zwischen den
beiden Seiten auszurichten und zu ermöglichen, um eine umfassende und dauerhafte
Beilegung des andauernden Konflikts zu erreichen."
Pakistan sei sehr erfreut darüber, dass sowohl der Iran als auch die USA ihr
Vertrauen in Pakistan als Vermittler bei diesen Gesprächen zum Ausdruck gebracht
hätten. Auch China unterstütze uneingeschränkt Pakistans Initiative, Gespräche
zwischen dem Iran und den USA zu veranstalten, hieß es weiter.
Nach Aussagen von Bundesaußenminister Johann Wadephul gibt es Vorbereitungen
für ein direktes Treffen zwischen Vertretern der USA und Irans. Auch Wadephul
nannte im Deutschlandfunk Pakistan als möglichen Ort für die Gespräche. Er
sprach von "ersten Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht".
Iran lässt pakistanische Schiffe durch Straße von Hormus
Der Iran lockerte für pakistanische Schiffe seine Blockade der für die
Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus. Der Schritt wurde von Beobachtern
als vertrauensbildende Maßnahme im Rahmen der Vermittlungen zur Deeskalation im
Nahen Osten gesehen. Seit Beginn der israelischen und US-amerikanischen Angriffe
auf das Land vor vier Wochen blockiert der Iran die Meerenge, über die große
Teile des Öl- und Gastransports laufen. Die Preise für diese Energieträger sind
in der Folge stark gestiegen.
Weitere US-Marines im Nahen Osten - Pläne für Bodenoffensive
Die Ankunft weiterer US-Marinekräfte mit dem amphibischen Angriffsschiff
"USS Tripoli" im Nahen Osten hatte Spekulationen über einen zeitnahen
Bodeneinsatz angefacht. US-Außenminister Marco Rubio sagte nach den jüngsten
G7-Gesprächen zwar, die eigenen Kriegsziele könnten ohne Bodentruppen erreicht
werden. Kategorisch ausschließen wollte er deren Einsatz aber nicht.
US-Medienberichten zufolge hat das US-Militär bereits Pläne für einen
möglichen Einsatz am Boden vorbereitet. Er soll kombinierte Einsätze von Truppen
der regulären Infanterie und Spezialeinheiten vorsehen, jedoch nicht als
vollständige Invasion angelegt sein, wie die "Washington Post" unter Berufung
auf US-Beamte berichtete. Für einen solchen Einsatz wären demnach mehrere Wochen
eingeplant. Ob US-Präsident Donald Trump vorhat, die Pläne abzusegnen, war
unklar.
Das israelische Militär will nach Darstellung eines Sprechers die iranische
Waffenproduktion "in wenigen Tagen" weitgehend zerstört haben. Die Streitkräfte
würden in diesem Zeitraum "die Angriffe auf alle wichtigen Komponenten der
(iranischen) Militärindustrie abschließen", sagte Armeesprecher Effie Defrin am
Samstagabend. "Das bedeutet, dass wir den Großteil der militärischen
Produktionskapazitäten zerstören haben werden."
Erneut Angriffe auf Golfstaaten
Unterdessen dauern die iranischen Gegenangriffe auch in anderen Ländern der
Region an. Mehrere Golfstaaten meldeten erneut Schäden, darunter nach Angriffen
auf ein Metallwerk in Abu Dhabi, bei dem es nach offiziellen Angaben auch
mehrere Verletzte gab. Auch Katar, Kuwait und Saudi-Arabien meldeten neue
Angriffe. In Kuwait zielten einige davon nach offiziellen Angaben auf das Umfeld
des internationalen Flughafens und verursachten erhebliche Schäden am
Radarsystem./ln/DP/zb