22.03.2026 22:30:14 - dpa-AFX: ROUNDUP: Sozialisten halten Paris und Marseille - RN scheitert in Großstädten

PARIS (dpa-AFX) - Die Sozialisten und Verbündete verteidigen Paris und
Marseille, die Rechtsnationalen scheitern in mehreren Großstädten und auch die
Linken verpassen mehrfach den Sieg: Das ist nach ersten Hochrechnungen das
Ergebnis der französischen Kommunalwahlen. Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl
kann das Votum zwar nur bedingt als Stimmungstest für die nationale Ebene
gelesen werden. Doch für die lagerinternen Machtkämpfe dürfte es eine zentrale
Rolle spielen.

Rechtsnationale hatten auf mehr gehofft

Für das Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen dürfte das Ergebnis
trotz einzelner Gewinne ernüchternd sein. Noch in der ersten Wahlrunde war ihre
Liste um Franck Allisio in der zweitgrößten französischen Stadt, Marseille, nur
knapp hinter dem bisherigen Bürgermeister Benoît Payan gelandet. Die Hafenstadt
anzuführen, wäre für die Rechtspopulisten ein enormer Erfolg gewesen. Doch den
Hochrechnungen zufolge haben sie den Sieg in Marseille klar verpasst. Auch in
Nîmes und Toulon, wo RN sich Hoffnungen machte, landeten sie demnach nur auf
Platz zwei. Immerhin landete allerdings mit Éric Ciotti ein parteifremder
Verbündeter der Rechtsnationalen in Nizza vorne. Le Pen schrieb trotzdem von
einem "immensen Sieg".

Die Grünen, die vor sechs Jahren massive Siege eingefahren hatten, werden
wohl Straßburg verlieren, konnten sich den Hochrechnungen zufolge aber in Lyon
halten. Auch die linke La France Insoumise (LFI) dürfte enttäuscht vom
Wahlausgang sein. Zwar lag sie im nordfranzösischen Roubaix klar vorne, doch
verpassten die linken Listen in Lille und Toulouse laut Hochrechnungen den
erhofften ersten Platz. Die mitunter populistische Partei, die lokal bisher
nicht so gut verankert war, kann sich dennoch über Zugewinne freuen und richtete
ihren Blick direkt auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.

Parteien werden sich nun für Präsidentschaftswahl sortieren

Und LFI war nicht die einzige Partei, die noch am Wahlabend den Bogen zur
Wahl eines neuen Staatschefs im kommenden Frühjahr schlug. Präsident Emmanuel
Macron wird nach zwei Amtszeiten dann nicht mehr antreten können. In Umfragen
erhalten die rechtsnationale Le Pen oder ihr politischer Ziehsohn Jordan
Bardella die meiste Zustimmung für eine Kandidatur. Das linke politische Lager
und Mitte-Rechts sind bisher noch unsortiert.

Der Ausgang der Kommunalwahl dürfte nun Bewegung in die internen Lagerkämpfe bringen. Die Konservativen riefen etwa zu einem klaren Bruch mit der bisherigen
Politik auf, was gegen einen gemeinsamen Kandidaten des Mitte-Rechts-Lagers
sprechen dürfte.

Innerhalb des linken Blocks könnten die Sozialisten eine Führungsrolle für
sich beanspruchen. Und auch darüber, ob Sozialisten, Kommunisten und Grüne mit
der linken LFI gemeinsame Sache machen wollen, wird intensiv diskutiert werden.
In mehreren Städten, in denen sich die Parteien mit LFI zusammentaten, reichte
es den Hochrechnungen zufolge nicht für einen Sieg, etwa in Limoges und
Besançon. In Lille und Rennes hingegen schlossen die anderen linken Parteien
kein Bündnis mit der linkspopulistischen LFI und gewannen.

Begrenzter Stimmungstest

Von den Ergebnissen der Kommunalwahl aber direkt auf den Ausgang der
Präsidentschaftswahl zu schließen, wäre zu kurz gedacht. Dem renommierten
Meinungsforschungsinstitut Ipsos zufolge waren für fast neun von zehn Wählern
lokale Themen ausschlaggebend. Immerhin gut 40 Prozent fanden aber auch die
politische und wirtschaftliche Situation auf nationaler Ebene entscheidend.
Dennoch wird lokal und national teils unterschiedlich gewählt, auch weil einige
Parteien wie RN oder Macrons Renaissance lokal noch immer eher schlecht
verankert sind.

Spannend wird dennoch sein, was die Kommunalwahl für die Regierung und
Präsident Macron bedeuten wird. Dass die Parteien nun mitunter neues
Selbstbewusstsein gewonnen haben und ihren Blick klar auf die kommende
Präsidentschaftswahl richten, könnte es der Minderheitsregierung erschweren, in
der Opposition die nötige Zustimmung für ihre Vorhaben zu finden./rbo/DP/zb

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