15.02.2026 15:00:25 - dpa-AFX: ROUNDUP 2: Bank-Schließfächer in Stuhr geplündert - 'Arg ist es schon'
STUHR (dpa-AFX) - Erst der große Coup in Gelsenkirchen, nun eine kleine
Bankfiliale nahe Bremen: Unbekannte drangen in der Mittagspause über einen
Lichtschacht in den Keller einer Volksbank im niedersächsischen Stuhr ein und
brachen 14 Schließfächer auf. "Zu den Inhalten können wir nichts sagen", meinte
ein Sprecher der Polizei. "Weil wir auch nicht wissen, was die Bankkunden da
platziert haben."
Die Bank müsse die Geschädigten zunächst fragen, wie hoch die Einlagen
waren. Grundsätzlich halte man sich aber bedeckt: "Auch bei
Tankstellenüberfällen sagen wir nie etwas über die Höhe", sagte der Sprecher.
Die betroffenen Kundinnen und Kunden, die die 14 Schließfächer gemietet hätten,
seien bereits informiert worden. Der Einbruch passierte am Freitag.
"Die Bank hat mit uns Kontakt aufgenommen und eine Hotline eingerichtet",
sagte der Polizeisprecher. Bis zum Samstagnachmittag seien die Betroffenen
angerufen worden. Am Montag sollten alle anderen Schließfachbesitzer kontaktiert
werden. In der Filiale gibt es mehr als 700 Schließfächer.
Drei Männer in blauen Overalls flüchten
Bisher gebe es keine konkrete Spur von den Einbrechern. Nach Angaben der
Ermittler drangen sie über einen Lichtschacht ein. Sie steuerten den Raum mit
den Schließfächern von Privatkunden an und öffneten gewaltsam die Tür. Dort
brachen sie 14 Fächer auf und verschwanden mit der Beute. Laut Zeugen könnte es
sich um drei Täter handeln, sagte der Polizeisprecher. Sie sollen blaue Overalls
getragen und vermutlich mit einem schwarzen Auto geflüchtet sein.
Nun sucht die Polizei nach Zeugen. "Wir haben schon Klinken geputzt und
Nachbarn befragt", sagte der Sprecher am Sonntag. Der Aufruf richte sich auch an
Anwohner, die Videokameras an ihren Häusern installiert hätten und
möglicherweise Hinweise auf die Tat am Freitagmittag geben können.
Schmuckstücke von der Mutter
Von außen deutete am Tag danach nichts auf den Einbruch hin. Keine Polizei
mehr, nicht mal ein Absperrband war zu sehen. Nur einige Kunden, die Geld
abheben wollten. Ihm sei "beschissen" zumute, sagte Klaus Hriesik, der mit
seiner Frau vor der verlassenen Filiale in der Kälte ausharrte. "Arg ist es
schon, weil die Ersparnisse da drin sind, für den späten Lebensabend."
Seine Frau Irene Hriesik pflichtete ihm bei. "Es sind da auch Schmuckstücke
drin", erzählte die Besitzerin eines Schließfachs. "Die bekomme ich ja nicht
wieder. Das sind Teile von meiner Mutter oder von meiner Schwiegermutter, und
das ist natürlich mehr als ärgerlich." Der Fall erinnere sie an Gelsenkirchen -
nur dass sie es nie für möglich gehalten habe, einmal selbst betroffen zu sein.
Eine andere Kundin schüttelte den Kopf. "Ich bin eigentlich sauer", meinte
die Frau. "Die Leute haben ihre Ersparnisse da. Das Vertrauen ist hin." Wie
konnten die Täter in der Mittagspause über einen Schacht unbeobachtet in den
Tresorraum eindringen? Sie verstehe nicht, warum die Bank ihr Sicherheitskonzept
nach dem Einbruch in Gelsenkirchen nicht verschärft habe.
Wie die Täter vorgingen
Ende Dezember hatten sich Einbrecher in Gelsenkirchen von einer benachbarten
Tiefgarage aus über mehrere Tage hinweg mit einem Spezialbohrer Zugang zu einem
Tresorraum verschafft. Sie brachen mehr als 3.000 Schließfächer auf und flohen
mit Geld, Schmuck und Wertgegenständen in Millionenhöhe. Auch in Wilhelmshaven
hatten zwei Täter Ende Januar in einer Sparkassen-Filiale Schließfächer
aufgebrochen.
In Stuhr sei nun alles ganz schnell gegangen, berichtete die Polizei. Die
Täter nutzten die Mittagspause von 12 bis 14 Uhr. Laut Polizei brachen die
Unbekannten über den Schacht ein. Sie seien zielgerichtet zu dem Raum mit den
Schließfächern vorgedrungen, hätten gewaltsam die Tür geöffnet und einige Fächer
leer geräumt.
Beißender Geruch und offene Türen
In dem Raum befinden sich laut Bank 718 Schließfächer - davon wurden 14
Fächer aufgebrochen und geplündert. "Alle anderen Fächer sind unversehrt",
teilte die Bank mit.
Die Beamten vermuten, dass die Täter nicht genug Zeit für weitere Fächer
hatten. Nach der Mittagspause sei eine Mitarbeiterin in den Keller gegangen. Sie
habe einen "ganz beißenden Geruch" festgestellt, ihr sei sofort übel geworden.
Die Bank alarmierte die Einsatzkräfte. Die Feuerwehr rückte mit 87 Kräften
aus, ein Trupp mit Chemieschutzanzügen und Atemschutz führte Messungen durch.
Sie stellten eine unbekannte Flüssigkeit an Türen fest, eine Gefahr für die
Gesundheit habe nicht bestanden.
Der Hausmeister stellte schließlich Einbruchspuren fest. Türen standen
offen. Die unbekannte Flüssigkeit mit dem starken Geruch sei wahrscheinlich nur
ein Ablenkungsmanöver gewesen, meinte der Polizeisprecher. Manche Täter wollen
so die Arbeit der Beamten verzögern oder ihre Spuren verwischen.
Bank: Sicherheit wird regelmäßig geprüft
Die Bank wies Vorwürfe von sich. "Unsere Sicherheits- und Schutzvorkehrungen
entsprechen den aktuellen, banküblichen Standards und werden regelmäßig
überprüft", betonte eine Mitarbeiterin der Filiale. "Dazu zählen sowohl bauliche
als auch organisatorische Maßnahmen." Am Montag soll der Betrieb in der
Geschäftsstelle normal weitergehen.
Bankkunde Klaus Hriesik hat kein Verständnis. Es sei tragisch, dass die Bank
nicht besser geschützt sei. "Am helllichten Tag mittags steigen die kleinen
Gangster hier ein", sagt der Besitzer eines Schließfachs. "Das Ganze kann man
nur als grob fahrlässig betrachten."/koe/miu/DP/zb