15.02.2026 15:00:04 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP: Groß-Demos in mehreren Ländern für Freiheit im Iran

MÜNCHEN/LOS ANGELES (dpa-AFX) - Bei einer Protestaktion in mehreren Ländern
haben am Samstag rund eine Million Demonstranten ihre Solidarität mit den
Menschen im Iran gezeigt. Allein in München verwandelten laut Polizei bis zu
250.000 Teilnehmer - unter ihnen viele Exil-Iraner aus ganz Europa - die
Theresienwiese in ein grün-weiß-rotes Fahnenmeer. Es war die größte Demo für
Freiheit im Iran, die es in Deutschland je gab.

In der kanadischen Metropole Toronto versammelten sich Medienberichten
zufolge rund 350.000 Menschen zur Unterstützung der iranischen Protestbewegung.
Zehntausende Menschen gingen in London, Vancouver und Sydney auf die Straße.

In Los Angeles, einem Zentrum der iranischen Diaspora in den USA, kamen
Medienberichten zufolge Tausende Demonstranten zusammen. Besonders im Stadtteil
Westwood füllten sich die Straßen. Wegen der großen iranischen Gemeinde wird das
Viertel in Anspielung auf die iranische Hauptstadt Teheran auch "Tehrangeles"
genannt.

Anfang Januar hatte Irans Sicherheitsapparat Massenproteste im Land
gewaltsam niedergeschlagen. Nach Schätzungen von Aktivisten kamen dabei rund
7.000 Menschen ums Leben. Zwar sind die Demonstrationen im Iran angesichts der
Repressionen inzwischen weitgehend verstummt, doch am Samstag waren in Teheran
erneut Protestrufe aus Wohnhäusern zu hören. "Tod dem Diktator" hallte es über
die Dächer.

Jubel für Schah-Sohn Reza Pahlavi

Zu dem Aktionstag aufgerufen hatte Reza Pahlavi, der seit Jahrzehnten im
Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien. Der 65-Jährige ist die
bekannteste Stimme der Protestbewegung im Iran. Bei seinem Auftritt in München
wurde er mit Jubel empfangen. Die Demonstranten zeigten Plakate mit dem
Konterfei Pahlavis.

"Wir kämpfen für Freiheit, für Gerechtigkeit und für Gleichheit", sagte er.
Das seien Werte, die für die Menschen in der westlichen Welt gewöhnlich seien.
Pahlavi bekräftigte, den Iran in eine demokratische Zukunft mit freien Wahlen
führen zu wollen. Er dankte für die Solidarität aus vielen Nationen. "Wir sind
nicht allein."

Friedman: Iranische Regierung missbraucht den Islam

Unter den Rednern war auch der Publizist Michel Friedman, der der iranischen Regierung vorwarf, "den Islam, den Koran zu missbrauchen". Seit 47 Jahren würden
im Iran im Namen Gottes Millionen Menschen unterdrückt. "Die Welt schaut seit 47
Jahren zu." Friedman forderte die Isolation der Machthaber im Iran und ein Ende
der Handelsbeziehungen. "Ein Regime, das für Terrorismus steht, gehört
abgesetzt", rief er, und sagte weiter: "Der Iran mit diesem Regime darf niemals
Atomwaffen haben."

Der republikanische US-Senator Lindsey Graham trug bei seinem Auftritt eine
Kappe mit der Aufschrift "Make Iran Great Again", eine Abwandlung des Slogans
"Make America Great Again" des US-Präsidenten Donald Trump und seiner Anhänger.

Pahlavi: "Es geht um die globale Sicherheit"

Pahlavi war wegen der Münchner Sicherheitskonferenz in die bayerische
Landeshauptstadt gereist. Vor Journalisten sagte er, der Aktionstag sei "eine
klare Botschaft an die Führer der westlichen Demokratien, sich mit dem
iranischen Volk zu solidarisieren".

Er sprach von einer "Stunde tiefer Gefahr". Die Welt müsse sich entscheiden, ob sie sich mit dem iranischen Volk solidarisieren oder erneut von einer
iranischen Führung beschwichtigen lasse, die über 40.000 ihrer eigenen Bürger
massakriert habe. Wie viele Menschen bei der Niederschlagung der jüngsten
Massenproteste im Iran ums Leben kamen, ist offiziell nicht bekannt.

Pahlavi sagte, es gehe um die globale Sicherheit in unserer Zeit. "Seit fast einem halben Jahrhundert agiert die Islamische Republik als revolutionäres
Unternehmen, exportiert Instabilität durch Stellvertreter, untergräbt die
Souveränität ihrer Nachbarn, schürt Konflikte in verschiedenen Regionen und
treibt ihre nuklearen Ambitionen voran. Doch etwas Unumkehrbares hat sich
verändert. Der Kampf in meinem Land ist heute kein Kampf zwischen Reform und
Revolution." Es sei ein Kampf zwischen Besatzung und Befreiung.

Zahlreiche weitere Demos in München

Der Zeitpunkt während der Münchner Sicherheitskonferenz sei für die
Groß-Demo bewusst gewählt worden, da zu der Konferenz politische und
sicherheitspolitische Entscheidungsträger aus aller Welt anreisten, teilte der
Veranstalter, der Verein The Munich Circle, mit. Für das Wochenende waren laut
Kreisverwaltungsreferat mehr als 15 weitere Versammlungen in Zusammenhang mit
der Sicherheitskonferenz angemeldet worden.

Die Münchner Sicherheitskonferenz, die am Sonntag endet, gilt als weltweit
wichtigstes Expertentreffen zur Sicherheitspolitik. Nach Angaben der
Konferenzleitung wurden mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sowie etwa 100
Außen- und Verteidigungsminister erwartet./fuw/DP/zb

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