23.01.2026 18:24:28 - dpa-AFX: POLITIK/ROUNDUP: Syrische Regierung übernimmt Gefängnis mit IS-Kämpfern

AL-RAKKA (dpa-AFX) - Die syrische Übergangsregierung hat ein weiteres
Gefängnis mit mutmaßlichen Terroristen des Islamischen Staats (IS) von der
kurdisch-dominierten Miliz SDF (Syrian Democratic Forces) übernommen. Das teilte
das syrische Innenministerium mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana
berichtete.

Das al-Aktan-Gefängnis nahe der einstigen IS-Hochburg al-Rakka im Nordosten
Syriens gilt mit etwa 1.500 Gefangenen als eine der größten Haftanstalten für
ehemalige IS-Kämpfer verschiedener Nationalitäten.

Versorgungsengpässe in Kurdenhochburg Kobane

Hunderte SDF-Kämpfer, die das Gefängnis bislang bewachten, wurden nach
übereinstimmenden Angaben beider Seiten in die von den SDF kontrollierte Stadt
Kobane an der türkischen Grenze gebracht.

Die einst vom IS belagerte, mehrheitlich kurdische Stadt Kobane ist seit
Tagen von Kräften der Übergangsregierung eingekreist. Laut der Syrischen
Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien ist die
humanitäre Lage dort durch Versorgungsengpässe inzwischen angespannt.

Der Kurdische Rote Halbmond schilderte die Lage als katastrophal und rief
die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen zum Handeln auf. Die Blockade der
Stadt dauere trotz der Waffenruhe an, hieß es in einer Mitteilung. Die Bewohner
seien von der Versorgung mit Wasser, Treibstoff- und Lebensmitteln
abgeschnitten. Viele Menschen seien zudem aus dem Umland in die Stadt geflohen
und seien gezwungen, in Autos oder im Freien zu übernachten.

Verfassungsschutz befürchtet Flucht von IS-Extremisten

Wie das Innenministerium in Damaskus laut Sana mitteilte, sollen die
Haftbedingungen und die Haftgrundlage jedes einzelnen Gefangenen in al-Aktan nun
überprüft werden.

Die SDF hatten die IS-Terroristen während des Bürgerkriegs mit
US-Unterstützung erfolgreich bekämpft und weite Teile Nordostsyriens unter ihre
Kontrolle gebracht und dort eine autonome Verwaltung errichtet.

Tausende IS-Kämpfer sowie deren Angehörige wurden dort über Jahre in
Gefängnissen und Lagern festgehalten. Seit dem Sturz von Langzeitherrscher
Baschar al-Assad durch eine von der Islamistengruppe HTS angeführte
Rebellenallianz vor einem Jahr wächst der Druck auf die Kurden, ihre Autonomie
aufzugeben. Zuletzt startete die Regierung in Damaskus eine Offensive und
drängte die Kurden mit Gewalt zurück.

Der Verfassungsschutz befürchtet, dass durch die syrische
Regierungsoffensive Extremisten mit deutschem Pass auf freien Fuß gelangen
könnten.

Kurden misstrauen Islamisten in Damaskus

Einem Abkommen aus dem vergangenen Frühjahr zufolge sollten sowohl die
SDF-Kämpfer als auch die Verwaltung in den kurdisch geführten Gebieten in
nationale Strukturen eingegliedert werden. Doch die Umsetzung scheiterte - nicht
zuletzt am Misstrauen der Kurden gegen die islamistische Führung in Damaskus.
Deren Kämpfer bringen etwa den weiblichen Einheiten der Kurden offen Verachtung
entgegen und richteten in den vergangenen Monaten Massaker unter den Zivilisten
anderer Minderheiten Syriens an.

Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa will das Land einen und insbesondere die Ölfelder im Nordosten Syriens unter die Kontrolle von Damaskus bringen. Er hat
sich der US-Regierung als Partner im Kampf gegen den IS angedient und den unter
der Herrschaft von al-Assad diskriminierten Kurden gleiche Rechte versprochen.
Washington stellt sich inzwischen auf die Seite von Damaskus. Von vielen Kurden
wird das als Verrat empfunden.

Eine am Dienstag geschlossene Waffenruhe läuft am Samstagabend aus. Von
kurdischer Seite hieß es, man hoffe auf eine Verlängerung der von den USA
vermittelten Gespräche, um eine Einigung mit Damaskus zu erzielen./cmy/DP/mis

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