26.05.2024 14:42:12 - dpa-AFX: Trotz Krah-Eklat stabile Zustimmung zur AfD - Parteispitze kämpferisch

BERLIN/MARL/GLAUCHAU (dpa-AFX) - Trotz ihrer jüngsten innerparteilichen
Turbulenzen hat die AfD laut einer Insa-Umfrage zur Europawahl nichts in der
Wählergunst eingebüßt. Sie verzeichnet in der neuen Befragung für die "Bild am
Sonntag" 17 Prozent und kommt damit auf denselben Wert wie in einer Insa-Umfrage
aus dem April. Die Union legt um einen Punkt zu auf 30 Prozent. Das berichtete
die "Bild am Sonntag", für die das Institut rund 1000 Menschen online befragte.

Die SPD verliert in der Umfrage um zwei Punkte und liegt nun bei 14 Prozent. Die Grünen stehen unverändert bei 13 Prozent - die FDP bleibt bei vier Prozent.
Die Linke büßt einen Punkt ein und erreicht drei Prozent. Das Bündnis Sahra
Wagenknecht (BSW) bekommt in der Umfrage sieben Prozent. Auf die Freien Wähler
entfallen unverändert drei Prozent. Die sonstigen Parteien vereinen neun Prozent
auf sich, wenn schon an diesem Sonntag gewählt würde.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Marl im nördlichen Ruhrgebiet zeigten
sich die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla nachdenklich und zugleich
kämpferisch. "Diese Woche, die wir hinter uns haben, war keine gute Woche. Wir
sind in Turbulenzen geraten mit einem unguten Ausgang", sagte Weidel am Samstag.
Chrupalla sagte: "Wir machen alle Fehler. Man muss aber auch bereit sein, Fehler
zu korrigieren und aus diesen Fehlern zu lernen." Das werde Weidel und ihm
gelingen, versprach er.

Beide benannten in ihren Reden nicht konkret die Querelen um den wegen
seiner SS-Aussagen mit einem Auftrittsverbot belegten AfD-Spitzenkandidaten für
die Europawahl, Maximilian Krah. Chrupalla betonte aber, die Partei werde nicht
"Egomanie unterstützen von einzelnen Kandidaten, die meinen, sich in den
Vordergrund spielen zu können mit Aussagen, die nicht der Partei dienen, die uns
eher schaden".

Auch die AfD in Krahs sächsischem Heimatverband wollte bei ihrem Parteitag
in Glauchau im Landkreis Zwickau nicht über ihn reden. Der Parteitag sei das
falsche Podium, um über das Krisenmanagement der Bundespartei in dieser Sache zu
sprechen, mahnte Landeschef Jörg Urban am Samstag die Delegierten. Krah selbst
blieb dem Treffen fern.

Weidel will AfD gestärkt aus der Krise herausführen

Weidel betonte in Nordrhein-Westfalen, entscheidend sei nun, dass die AfD
gestärkt aus dieser Krise hervorgehe. "Solche Tage, solche Momente, wo es nicht
so gut läuft, sind immer auch gleichzeitig eine Chance, Lehren zu ziehen, um
weiterzuwachsen und uns weiter zu professionalisieren", rief sie den rund 800
Parteianhängern in Marl zu. Ohne den Gedanken weiter auszuführen, fügte sie
hinzu: "Denn das, was passiert ist, hätte nicht passieren müssen."

Bis zur Europawahl werde die AfD ihren Wahlkampf ohne Spitzenkandidaten nun
sehr stark auf ihr Programm ausrichten, kündigte Chrupalla an. "Und dann werden
wir auch eine starke Delegation nach Brüssel entsenden." Die Europawahl ist in
rund zwei Wochen.

Krah als Redner wieder ausgeladen

Eigentlich war Spitzenkandidat Krah ebenfalls als Redner bei der
Wahlkampfveranstaltung in Marl angekündigt. Sein Name wurde dann aber wieder von
der Rednerliste gestrichen.

Auslöser der akuten AfD-Krise ist ein Interview Krahs mit der italienischen
Zeitung "La Repubblica" und der "Financial Times". Krah wurde nach der
nationalsozialistischen SS gefragt. Die sogenannte Schutzstaffel Adolf Hitlers
bewachte und verwaltete unter anderem die Konzentrationslager und war maßgeblich
für Kriegsverbrechen verantwortlich. Bei den Nürnberger Prozessen nach Ende des
Zweiten Weltkriegs wurde sie zu einer verbrecherischen Organisation erklärt.
Krah sagte in dem Interview: "Ich werde nie sagen, dass jeder, der eine
SS-Uniform trug, automatisch ein Verbrecher war." Daraufhin distanzierte sich
unter anderem der französische Rassemblement National. Die rechte ID-Fraktion im
Europäischen Parlament schloss schließlich alle AfD-Abgeordneten aus.

Weidel und Chrupalla kandidieren erneut für Parteivorsitz

Obwohl es zuletzt auch Kritik an Weidels und Chrupallas Führung der Partei
gab, kündigten beide an, sich beim AfD-Bundesparteitag Ende Juni zur Wiederwahl
zu stellen. "Ich freue mich, zusammen mit Tino Chrupalla wieder anzutreten",
sagte Weidel. Der Chef des großen AfD-Landesverbands Nordrhein-Westfalen, Martin
Vincentz, stärkte beiden demonstrativ den Rücken: "Ich glaube, wir haben mit
Alice und Tino zwei Bundessprecher, die uns so gut durch die Krisen manövrieren,
wie kein anderer Bundesvorstand vorher", sagte er./mhe/beg/hum/bg/DP/he

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