Börseninformationen

Kann ich trotzdem den Optionsschein handeln, obwohl an der Börse keine Umsätze zu verzeichnen sind?

Ein Vorurteil ist kaum auszurotten: die Liquidität. Vielen der mehr als 24000 am Derivate-Segment der Optionsscheinbörse in Stuttgart gelisteten Optionsscheine verzeichnen keine täglichen Umsätze. Wie bei den Aktien besteht immer noch das Vorurteil, dass die Anleger diese Produkte meiden müssen wie die kleinen Nebenwerte an den Aktienbörsen. Bei diesen brauchen sie tatsächlich einen Gegenpart von dem sie die Aktien kaufen oder an den sie Anteilscheine verkaufen können.
Bei Optionsscheinen, Anlage-Zertifikaten und anderen Hebelinstrumenten müssen sie nicht auf einen Marktteilnehmer warten, mit dem sie handeln können. Im Gegensatz zum Aktienmarkt spielt die Liquidität im Handel eines Optionsscheins an der Börse überhaupt keine Rolle. Denn die Emissionshäuser stellen für ihre eigenen Produkte ständig An- und Verkaufskurse, zu denen der Investor auch handeln kann.
Die Kurse werden meist auf Basis der Preise an den Terminmärkten berechnet und hängen sowohl von der Entwicklung des Basiswerts als auch von der erwarteten Schwankungsfreudigkeit ab. Bei einem Index-Zertifikat auf den DAX kann der Wert des Zertifikats im Prinzip direkt vom Stand des DAX-Index abgelesen werden. Zusätzlich zu den Geld- und Briefkursen gibt das Emissionshaus sowohl im Direkthandel über die Direktanlagebanken als auch im Handel über die Börse die Ordergröße an, für die sie ein Geschäft garantieren.
Anders als bei Aktien und Anleihen ist der Anleger bei den Derivaten nicht mehr auf die Börse angewiesen. Fast alle Emissionshäuser stellen im Direkthandel Kurse zwischen acht und 22 Uhr, also auch außerhalb der offiziellen Börsenzeiten. Das bringt für den Anleger Vorteile im Handel mit amerikanischen Aktien oder Indizes.

Der Handel über das Börsenparkett hat allerdings auch Vorteile. Der Anleger hat die Chance auf einen für ihn günstigeren Ausführungskurs, als er beim Direkthandel mit dem Emittenten erzielen würde. Von unschätzbarem Wert sind limitierte Order, Stop-loss- oder Stop-Order, über die der Anleger Verluste reduzieren kann oder nur beim Überschreiten bestimmter Marken kaufen will.
Das wichtigste Argument für den Handel über die Börse ist eine rechtliche Sicherheit. Denn die Börse ist eine Kontrollinstanz zwischen Anleger und Emissionshaus. Die Börse bzw. deren Kontrollinstanzen überwachen festegelegte Richtlinien, die sie zum Schutz der Anleger eingeführt hat. Dazu gehört eine festgelegte Ordergröße, für die das Emissionshaus die Ausführung eines Handels zu den von ihnen ausgewiesenen Kursen garantiert. So liegt das Mindestvolumen im Bereich der für Privatanleger durchschnittlichen Ordergrößen von etwa 3000 Euro. Der Anleger muss also genau abwägen, welche Orderart für ihn von Vorteil ist.

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